Computersicherheit? Läuft noch immer und noch viel zu oft quasi nebenher. Fi­re­wall installiert, Virenscanner auf dem neuesten Stand: System geschützt, alles gut. Und wenn dann die Attacke kommt und erfolgreich war, ist die Überraschung so groß wie später der Frust. Wie konnte all das nur passieren? Eine Firma aus Borken hilft.

BORKEN. Nicht erst seit dem Bekanntwerden der jüngsten Angriffe auf Kliniken und Stadtverwaltungen ist das Thema IT-Sicherheit in vieler Munde – auch bei Dirk Brand und Roland Nießing von der Sila Consulting GmbH. Sie verkaufen keine technische Sicherheit, sie beraten vielmehr zu diesem Thema. Heißt: Brand und Nießing analysieren die EDV- und IT-Architektur ihrer Kunden, suchen Schwachstellen und empfehlen Schutzmöglichkeiten, die sich an dem Dreieck ­Sicherheit, Bequemlichkeit und Kosten orientieren.

„Wir sind keine Vertriebler, die technisches Equipment verkaufen“, sagt Brand. Er betont das vermutlich, weil man auf eben diesen Gedanken kommen könnte. Schließlich ist die 2008 in Borken gegründete Sila Consulting eine 100-Prozent-Tochter der Netgo-Systemhaus GmbH, die genau das anbietet. „Wir verkaufen Beratung“, sagt Nießing. „Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Das Sila-Consulting-Team: Gregor Blasiak, Patrick Kruse (Geschäftsführer NETGO GmbH), Lukas Fischer, Dirk Brank, Roland Nießing (v.l.). (Foto: Wilfried Gerharz)

Lösegeld für gekaperte Daten gefordert

Am Ende einer solchen Beratung steht keine 100-prozentige Sicherheit. Das zu betonen ist den beiden wichtig. „Wir können nicht alles verhindern, was möglich ist“, sagt Brand. Dafür seien die Hacker zu professionell und ihre Möglichkeiten zu groß. „Wir können jedoch sicherstellen, dass die Folgen ei­nes Angriffs für ein Unternehmen nicht existenzbedrohend sind.“ Bedeutet: „Wir helfen, dass unsere Kunden nach einer Attacke schnellstmöglich wieder handlungsfähig werden.“

Die jüngsten Beispiele in NRW zeigen das Problem: Die EDV mehrerer Kliniken und Stadtverwaltungen wie beispielsweise der in Rheine waren mit Verschlüsselungstrojanern infiziert worden, die die Da­ten unlesbar machten. Dahinter steckten Ganoven, die auf Lösegeld aus waren. Es dauerte Tage, bis die Systeme wieder liefen.

Attacken spielen Beratern in die Hände

Brand und Nießing setzen vor der Attacke an. Indem sie gemeinsam mit ihren Kunden ausloten, „was die besonderen Werte des Un­ter­neh­mens sind“, sagt Brand. Manchmal seien das nur zehn Prozent der in der EDV schlummernden Datenvolumina. „Und die müssen besonders geschützt werden.“ Das Wie ist dabei immer individuell. Lösungen von der Stange gibt es nicht.

Die jüngsten Attacken spielen den Beratern in die Hände, ebenso das IT-Sicherheitsgesetz, das Mitte 2015 Un­ternehmen aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur wie Energieversorger oder die Gesundheitsbranche zu einem besonderen Augenmerk auf die EDV-Sicherheit verpflichtet. Und der Zeitgeist. Von „Bewusstseinswandel“ sprechen Brand und Nießing, von „einem Mehrwert, den ich habe, wenn ich eine hohe IT-Sicherheit nachweisen kann“.

Banken knüpfen Kredite an Datensicherheitskonzepte

Weil nicht zuletzt Banken die Vergabe von Krediten immer öfter vom Vorhandensein stichhaltiger Datensicherheitskonzepte abhängig machen. Oder sie bei Ausschreibung vorgeschrieben sind. Wer kein solches Konzept hat, ist von vornherein draußen.

Consulting, also Beratung in Sachen IT-Sicherheit, boomt. Die Sila Consulting GmbH hat darum im vergangen Jahr ihren Personalbestand verdoppelt. Von zwei auf vier. Gregor Blasiak und Lukas Fischer sind direkt von der Bocholter Außenstelle der Fachhochschule Gelsenkirchen ins Borkener Unternehmen gekommen. „Wir brauchen junge Köpfe und frische Ideen“, sagt Brand.

Quelle

icon_web15 Westfälische Nachrichten, 29.03.2016

Autor

Elmar Ries
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